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Die richtige Tilgungsrate bei Immobilien verstehen

Tilgungsrate Übersicht

Viele Investoren betrachten die Tilgungsrate eher beiläufig. Oft gilt die einfache Logik: möglichst wenig tilgen für mehr Cashflow – oder möglichst viel tilgen für schnellere Schuldenfreiheit.

In der Praxis ist die Tilgungsrate jedoch einer der zentralen Hebel in deiner Finanzierung. Sie beeinflusst gleichzeitig deinen Cashflow, dein Risiko, deine Restschuld und deine Fähigkeit, weiter zu investieren.

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Fachliche Einordnung

Die Tilgungsrate beschreibt, wie viel Prozent des Darlehens du jährlich zurückzahlst – unabhängig vom Zinssatz.

Typischerweise lassen sich drei Bereiche unterscheiden:

  • Niedrige Tilgung: ca. 1,0 % – 1,9 %
  • Mittlere Tilgung: ca. 2,0 % – 2,5 %
  • Hohe Tilgung: ab ca. 3,0 %

Jede dieser Varianten führt zu unterschiedlichen Ergebnissen – und keine ist pauschal „richtig“ oder „falsch“. Entscheidend ist, wie gut sie zu deiner Strategie passt.

Niedrige Tilgung: Fokus auf Cashflow und Wachstum

Eine niedrige Tilgungsrate reduziert deine monatliche Belastung.

Das hat direkte Auswirkungen:

  • mehr freier Cashflow
  • bessere Liquidität
  • höhere Kapitaldienstfähigkeit
  • mehr Spielraum für weitere Investitionen

Das ist besonders relevant, wenn du:

  • aktiv ein Portfolio aufbauen willst
  • regelmäßig neue Objekte finanzieren möchtest
  • auf laufende Einnahmen angewiesen bist

Der Nachteil liegt auf der anderen Seite der Bilanz:

  • höhere Restschuld nach der Zinsbindung
  • größeres Risiko bei der Anschlussfinanzierung

Je weniger du tilgst, desto stärker bist du davon abhängig, wie sich die Zinsen in Zukunft entwickeln.

Hohe Tilgung: Fokus auf Sicherheit und Entschuldung

Eine hohe Tilgung wirkt genau entgegengesetzt.

Du zahlst monatlich deutlich mehr zurück – mit folgenden Effekten:

  • schnellere Reduktion der Restschuld
  • geringeres Zinsänderungsrisiko
  • höherer Eigenkapitalanteil im Objekt

Das ist vor allem sinnvoll, wenn du:

  • sicherheitsorientiert bist
  • keine aggressive Wachstumsstrategie verfolgst
  • langfristig entschuldet sein möchtest (z. B. vor Renteneintritt)

Der Preis dafür ist klar:

  • deutlich geringerer oder sogar negativer Cashflow
  • schlechtere Finanzierbarkeit weiterer Objekte

Ein oft übersehener Punkt: Eine hohe Tilgung kann auch die Bankfähigkeit verschlechtern, da die monatliche Belastung steigt und der Puffer sinkt.

Mittlere Tilgung: Der Balancepunkt

Die mittlere Tilgung bewegt sich zwischen den beiden Extremen.

Sie zielt darauf ab, mehrere Faktoren gleichzeitig auszubalancieren:

  • stabiler (oft leicht positiver) Cashflow
  • moderater Schuldenabbau
  • solide Kapitaldienstfähigkeit

Das ist häufig der Bereich, in dem:

  • sich das Objekt selbst trägt
  • die Finanzierung für Banken plausibel bleibt
  • gleichzeitig Vermögen aufgebaut wird

Diese Variante eignet sich besonders, wenn du:

  • weder rein auf Wachstum noch rein auf Sicherheit setzt
  • eine langfristig stabile Struktur aufbauen willst

Typisierte Beispielrechnung

Angenommen:

  • Kaufpreis: 300.000 €
  • Darlehen: 270.000 €
  • Zinssatz: 3,5 %
  • Jahresnettokaltmiete: 15.000 €

Variante 1: 1,5 % Tilgung

  • Jahresrate (Zins + Tilgung): ca. 13.500 €
  • Cashflow: positiv
  • Restschuld nach 10 Jahren: hoch

Ergebnis:
Guter Cashflow, aber höheres Risiko bei Anschlussfinanzierung.

Variante 2: 2,0 % Tilgung

  • Jahresrate: ca. 14.850 €
  • Cashflow: leicht positiv
  • Restschuld: moderat

Ergebnis:
Ausgewogen zwischen Liquidität und Sicherheit.

Variante 3: 4,0 % Tilgung

  • Jahresrate: ca. 19.800 €
  • Cashflow: negativ
  • Restschuld: deutlich reduziert

Ergebnis:
Hohe Sicherheit, aber spürbare monatliche Belastung.

Einflussfaktoren für die richtige Tilgungsrate

Die Wahl der Tilgung hängt immer vom Gesamtbild ab.

Wichtige Fragen sind:

1. Wachstumsstrategie oder Bestandsoptimierung?

  • Wachstum: eher niedrige Tilgung
  • Stabilität: eher höhere Tilgung

2. Bedeutung des Cashflows

  • hoher Stellenwert → niedrigere Tilgung
  • nachrangig → höhere Tilgung möglich

3. Zinsumfeld

  • hohe Zinsen → Tilgung oft niedriger notwendig
  • niedrige Zinsen → mehr Spielraum für höhere Tilgung

4. Zinsbindung

  • kurze Zinsbindung → Tilgung beeinflusst Risiko stark
  • lange Zinsbindung → mehr Flexibilität bei niedriger Tilgung

Typische Denkfehler

Ein häufiger Irrtum lautet:

„Je höher die Tilgung, desto besser.“

Das gilt oft für Eigennutzer – aber nicht automatisch für Investoren.

Denn:

  • höhere Tilgung = weniger Cashflow
  • weniger Cashflow = weniger neue Investitionen
  • weniger Investitionen = langsamerer Vermögensaufbau

Genauso falsch ist die pauschale Gegenmeinung:

„Je niedriger die Tilgung, desto besser.“

Denn:

  • höhere Restschuld erhöht das Risiko
  • Anschlussfinanzierung kann problematisch werden

Ein sinnvoller Ansatz ist daher:

Die Tilgung so zu wählen, dass sie zum konkreten Deal und zur eigenen Strategie passt.

Fazit

Die Tilgungsrate ist kein Detail, sondern ein zentraler Steuerungshebel deiner Immobilienstrategie.

Es gibt keine universell optimale Lösung – sondern nur eine, die zu deinem Ziel, deinem Risikoempfinden und deiner Situation passt.

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