Bankfähigkeit verstehen: Die 3 entscheidenden Kennzahlen

Viele Immobilien sehen auf den ersten Blick hervorragend aus: positiver Cashflow, solide Rendite und langfristiger Vermögensaufbau.
Trotzdem scheitern genau solche Deals häufig an der Finanzierung. Der Grund liegt fast immer darin, dass die Bank die Immobilie anders bewertet als du selbst.
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Fachliche Einordnung
Banken prüfen Immobilien nicht primär nach Rendite oder Steueroptimierung, sondern nach Risiko und Sicherheit.
Dabei stehen drei Fragen im Mittelpunkt:
- Trägt sich die Immobilie aus sich selbst heraus?
- Wie gut ist das Darlehen abgesichert?
- Bleibt nach der Finanzierung ein Puffer übrig?
Diese Fragen werden über drei zentrale Kennzahlen beantwortet:
- Kapitaldienstdeckungsgrad
- Beleihungsauslauf
- Reinertragsüberschuss
Wenn du diese drei Kennzahlen verstehst, verstehst du die grundlegende Logik jeder Immobilienfinanzierung.
Kapitaldienstdeckungsgrad: Trägt sich das Objekt selbst?
Der Kapitaldienstdeckungsgrad beschreibt, ob die Immobilie ihre Finanzierung aus den laufenden Einnahmen bedienen kann.
Die Logik ist einfach:
- Reinertrag = Mieteinnahmen minus Bewirtschaftungskosten
- Kapitaldienst = Zinsen + Tilgung
Dann gilt:
Reinertrag ÷ Kapitaldienst = Kapitaldienstdeckungsgrad
Interpretation
- Unter 1,0 → Objekt trägt sich nicht selbst
- 1,0 bis 1,2 → knapp tragfähig
- Über 1,2 → stabil
- Über 1,3 → sehr komfortabel
Ein Wert knapp über 1 bedeutet: Das Objekt funktioniert, ist aber empfindlich gegenüber Veränderungen.
Typische Risiken:
- steigende Zinsen nach Ablauf der Zinsbindung
- Mietausfälle oder Leerstand
- steigende Kosten
Die Bank achtet hier besonders auf Stabilität. Ein knapp tragfähiges Objekt kann funktionieren – aber nur, wenn deine persönliche Situation ausreichend Puffer bietet.
Beleihungsauslauf: Wie hoch ist das Risiko für die Bank?
Der Beleihungsauslauf (oft auch Loan-to-Value, LTV) zeigt, wie stark die Finanzierung im Verhältnis zum Immobilienwert ist.
Schritt 1: Konservative Bewertungsbasis
Die Bank nimmt immer den niedrigeren Wert aus:
- Kaufpreis
- Marktwert
Schritt 2: Sicherheitsabschlag
Auf diesen Wert wird zusätzlich ein Abschlag vorgenommen (typisch: ca. 10 %).
Beleihungswert = 90 % des niedrigeren Werts
Schritt 3: Verhältnis zur Finanzierung
Beleihungsauslauf = Darlehen ÷ Beleihungswert
Interpretation
- Bis 80 % → sehr gute Konditionen
- 80–90 % → solide
- Über 90 % → erhöhtes Risiko
- Über 100 % → Finanzierung über Objektwert hinaus
Ein hoher Beleihungsauslauf bedeutet für die Bank:
- geringere Sicherheit
- höhere Zinsen
- mehr Prüfbedarf
- ggf. zusätzliche Sicherheiten notwendig
Wichtig: Ein hoher Wert führt nicht automatisch zur Ablehnung. Er bedeutet lediglich, dass du argumentieren oder zusätzliche Sicherheiten einbringen musst.
Reinertragsüberschuss: Was bleibt am Ende übrig?
Der Reinertragsüberschuss zeigt, wie viel Geld nach allen laufenden Kosten inklusive Finanzierung übrig bleibt.
Reinertragsüberschuss = Reinertrag – Kapitaldienst
Bedeutung
- Positiv → Objekt erzeugt freien Cashflow
- Nahe null → kaum Puffer
- Negativ → Zuschuss aus eigener Tasche nötig
Für Banken ist diese Kennzahl besonders wichtig, weil sie den tatsächlichen Sicherheitspuffer zeigt.
Ein positiver Überschuss signalisiert:
- Stabilität
- Zahlungsfähigkeit auch bei kleinen Schwankungen
- geringeres Ausfallrisiko
Typisierte Beispielrechnung
Zur Einordnung ein vereinfachtes Beispiel:
Annahmen:
- Jahreskaltmiete: 18.000 €
- Bewirtschaftungskosten (15 %): 2.700 €
- Reinertrag: 15.300 €
Finanzierung:
- Zinsen: 9.000 €
- Tilgung: 4.500 €
- Kapitaldienst: 13.500 €
Ergebnisse:
-
Kapitaldienstdeckungsgrad:
15.300 € ÷ 13.500 € = 1,13 -
Reinertragsüberschuss:
15.300 € – 13.500 € = 1.800 € jährlich
→ Das entspricht 150 € monatlichem Puffer
Einordnung:
- Tragfähigkeit gegeben, aber nicht komfortabel
- kleiner Sicherheitspuffer vorhanden
- sensitiv gegenüber Veränderungen
Wenn zusätzlich:
- hohes Eigenkapital eingebracht wird oder
- eine starke persönliche Bonität vorliegt
kann ein solcher Deal für die Bank trotzdem akzeptabel sein.
Objekt vs. persönliche Situation
Ein entscheidender Punkt wird oft übersehen:
Die Kennzahlen beziehen sich zunächst nur auf das Objekt selbst.
Die Bank bewertet aber immer zusätzlich:
- dein Einkommen
- deine Ausgaben
- dein bestehendes Portfolio
- deine Gesamtverschuldung
Ein Objekt mit schwächeren Kennzahlen kann finanziert werden, wenn deine Gesamtsituation stark ist.
Umgekehrt kann ein gutes Objekt abgelehnt werden, wenn deine persönliche Bonität nicht ausreicht.
Fazit
Bankfähigkeit entsteht nicht durch Rendite allein, sondern durch das Zusammenspiel aus Tragfähigkeit, Besicherung und Liquidität.
Wenn du diese drei Kennzahlen im Griff hast, kannst du besser einschätzen, wie eine Bank deinen Deal bewertet – und wo mögliche Probleme liegen.
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